Wie kann das seit den 1960ern in den westlichen Gesellschaften rasant wachsende Interesse am Buddhismus erklärt werden? Warum praktiziert schon über eine Million größtenteils hochausgebildeter und wohlhabender Westler die fernöstliche Weisheitslehre in ihrem täglichen Leben? Warum hat die Soziologie dieses omnipräsente Kulturphänomen bisher mit Nichtachtung bestraft? Der Soziologe Ralf Bub geht diesen bisher nur unbefriedigend beantworteten Fragen kenntnisreich auf den Grund. Mit beeindruckender Präzision analysiert und beschreibt er die großen soziohistorischen Trends, die zum einen die notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg des Buddhismus kreierten und zum anderen auf erstaunliche Weise konsequent auf dessen Erfolg hinauszulaufen scheinen. So haben die jeweiligen Paare von Aufklärung und Bildungsexpansion sowie Kapitalismus und materiellem Wohlstand zur Ausbildung einer postmaterialistisch eingestellten Mittelschicht geführt. Diese versucht, ihr Bedürfnis nach Sinn und Glück auf dem globalisierten Markt der Weltanschauungen zunehmend durch die buddhistische Praxis zu stillen, nachdem genuin abendländische Angebote wie beispielsweise Christentum und Psychologie als gescheitert bzw. unzureichend erkannt wurden. Auf bemerkenswerte Weise gleichen sich sowohl die gesellschaftliche Situation zur Zeit des historischen Buddha und der Gegenwart als auch die ursprüngliche und die aktuelle Trägerschicht des Buddhismus. Anhand dieser Parallelen bestimmt der Autor die idealtypische Trägerschicht des Buddhismus und die für dessen erfolgreiche Verbreitung in einem neuen kulturellen Umfeld notwendigen gesellschaftlichen Voraussetzungen. Der Untersuchung liegt eine multidimensionale Perspektive zugrunde, so dass auch historische, philosophische, theologische und psychologische Aspekte bei der Analyse des Phänomens eine tragende Rolle spielen. Interessant ist das Buch gleichermaßen für Akademiker und Laien, da es einem hohen wissenschaftlichen Anspruch genügt und zugleich spannend und verständlich geschrieben ist.