Seit 36 Jahren ist Ali Khamenei das religiose und politische Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. In der internationalen Rangliste der Langzeitdespoten belegt der 86-Jahrige damit den funften Platz. Doch Irans geopolitische Bedeutung ist nicht mit derjenigen Bruneis, Aquatorialguineas, Kameruns oder Ugandas zu vergleichen. In allen Konflikten des Nahen Ostens hat Khamenei seine Hand im Spiel. Sogar in den Ukrainekrieg greift er ein. Die Rolle Irans beim Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 ist noch ungeklart. Seine Aussenpolitik besteht hauptsachlich aus Terrorakten, Geiselnahmen und Stellvertreterkriegen. Und im Inland verfugt der "Oberste Fuhrer" uber nahezu unbegrenzte Macht. Er bestimmt uber alle wichtigen Posten direkt oder indirekt: von den Streitkraften uber die Staatsmedien bis hin zur politischen Fuhrung. Zivilgesellschaftlichen Widerstand lasst er brutal verfolgen. Und uber seine Nachfolge schweigt er sich aus. Wer ist dieser Mann, der nach der Revolution vom einfachen Freitagsprediger zum Staatsoberhaupt aufstieg? Wer ist dieser Mann, der nur durch einen Trick die machtigstes Figur Irans wurde und dessen Wort in dieser "Republik" heute gottliches und irdisches Gesetz zugleich ist? Wohin will er den Iran fuhren und mit welchen Mitteln? Khamenei selbst halt sich fur einen visionaren Vertreter Gottes, der die Weltordnung umkrempeln will. Fur ihn heisst das vor allem, Israel zu eliminieren - ein Ziel, das er unermudlich verfolgt, verfolgen muss. Uber Ali Khamenei kann man keine herkommliche Biografie schreiben. Selbst in Iran existiert keine. Er hat nie ein Interview gegeben, kaum aus seinem Leben erzahlt. Weder die offiziellen noch die geduldeten Medien berichten uber sein Privatleben. Und doch: Von seiner Herkunft aus einfachen Verhaltnissen, seiner Liebe zur Poesie, seinem dramatischen Aufstieg, seiner Begeisterung fur Putin oder dem Ursprung seines notorischen Antisemitismus kann man viel erzahlen. Auch gibt es Weggefahrten, ob Aussteiger oder Anhanger, die uber ihn berichten. Hinzu kommen Beobachtungen des Autors: Ali Sadrzadeh, Exiliraner mit fast vierzigjahriger journalistischer Praxis. Und so ergibt sich eine erstaunliche Geschichte Khameneis - zugleich die Geschichte seiner "Republik" im turbulenten Nahen Osten der letzten 40 Jahren.