Studienarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 5.5, Universitt Basel, Sprache: Deutsch, Abstract: "Es erzhlt in einfachster Art und Weise eine einfache Begebenheit, an der keine Vorsteherin eines Tchterpensionats noch ein sonstiger Moralist der herkmmlichen Gattungen den geringsten Anstoss nehmen wrde, und doch sollte es polizeilich verboten werden." So schrieb Wilhelm Jensen 1879, fnf Jahre nach der Erstverffentlichung, ber Wilhelm Raabes Novelle "Zum wilden Mann." Was hat ihn so an dieser Erzhlung gestrt? "Denn es seziert und prpariert aus der Tiefe der Menschenseele mit Schonungslosigkeit die geheimsten Nervenverzweigungen emprendster Selbstsucht hervor, dass der Leser am Schluss, ohne jegliche ethische und poetische Erhebungsmglichkeit platt zu Boden geworfen, sich von einem Widerwillen gegen das ganze Menschengeschlecht angepackt fhlt, das solche Beispiele aus seiner Mitte hervorbringt." Die Handlung der Geschichte hat also in der Zeit gewisse Leute schockiert. Die Geschichte eines Mannes, der in jungen Jahren von einem obskuren Freund Geld geschenkt bekommt, sich mit diesem eine Existenz aufbaut und jetzt, ber 30 Jahre spter, unverhofft wieder Besuch von seinem einstigen Freund bekommt und sich nun gezwungen sieht, das Geld wieder mit Zinsen zurckzubezahlen und dadurch ruiniert ist. In der Zeit der Grnderjahre war dies ein sehr aktuelles Thema, das Aufkommen eines kaltbltigen Kapitalismus, wo Geld mehr Wert als Freundschaft hat und man nichts geschenkt bekommt. Diese "einfache Begebenheit" entfaltet seine Wirkung, weil sie nicht moralisiert, sondern "schonungslos" darstellt, wie in dieser neuen Zeit ein wirtschaftlich denkender Mensch automatisch die noch in der alten Werteordnung Denkenden ausntzt. Dazu kommt, dass diese "einfache Begebenheit" in "einfachster Art und Weise" erzhlt wird, wie Jensen gleich zu Beginn des Zitats hervorhebt. Dies muss also die Wirkung der Erzhlung auf ihn noch ve