Die Kanoniker von S. Giovanni in Laterano und S. Maria Maggiore im 14. Jahrhundert
Andreas Rehberg
de Gruyter
1999
sidottu
Die Basiliken S. Giovanni in Laterano und S. Maria Maggiore waren neben der Peterskirche die bedeutendsten Kollegiatkirchen in Rom. Die an ihnen wirkenden Klerikergemeinschaften (= Stiftskapitel) wurden von Kanonikern gebildet, uber deren Herkunft aus meist fuhrenden romischen Familien man bislang wenig wute. Mittels der prosopographischen Methode, d.h. der Sammlung aller Einzelinformationen zu einer Personengruppe, konnen wichtige Bereiche des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Umfelds der Kanoniker rekonstruiert werden. Als Untersuchungszeitraum wurde das 14. Jahrhundert gewahlt, als das Papsttum weitgehend im sudfranzosischen Avignon weilte. Da die Kanonikate an den beiden Basiliken zu den begehrtesten Kirchenpfrunden der Tiber-Metropole gehorten, versuchten die Papste und die romischen Fuhrungsgruppen gleichermaen, ihre Vergabe zu beeinflussen. Der hohere Klerus war fest in die romische Gesellschaft integriert und konnte sich deshalb auch nicht den damaligen politischen und gesellschaftlichen Veranderungen entziehen. Einen Vertreter in einem der drei groen Kapitel zu stellen, gehorte zu den Zielen der nach der Jahrhundertwende okonomisch aufstrebenden Kreise. In der Sozialgeschichte der beiden hier behandelten Kapitel spiegelt sich also auch die Geschichte der Stadt Rom selbst wider.