Zola VOR Bourdieu: Eine Studie Zur Protosoziologie in Émile Zolas «Les Rougon-Macquart» (1871-1893)
Lars Thorben Henk
De Gruyter
2025
sidottu
In Pierre Bourdieus Studien eingestreut finden sich zahlreiche Verweise auf Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts. Gustave Flaubert nimmt unter diesen Referenzen eine Sonderstellung ein. Ihm hat Bourdieu den Status eines Protosoziologen einger umt. Flauberts Quasisoziologie hat er mithilfe der Analyse der literarischen Motive und Strukturen herausgearbeitet. Auf den Naturalisten mile Zola, der mit dem Anspruch auftritt, eine praktische Soziologie f r die Gesellschaft nach dem Zusammenbruch des Ancien R gime zu entwerfen, verweist Bourdieu allerdings kaum. An die methodischen berlegungen aus seiner Flaubert-Analyse ankn pfend, erforscht diese Studie das Verh ltnis zwischen Bourdieu und Zola anhand der Untersuchung seiner Arbeiterromane L'Assommoir (1877), Germinal (1885) et La Terre (1887) im Spiegel des Karnevalesk-Grotesken. Es wird gezeigt, dass die karnevalesk-groteske sthetik in mile Zolas Romanen erstens ein protosoziologisches Wissen hervorbringt. Diese implizite Soziologie antizipiert zweitens die Erkenntnisse und in Ans tzen die Epistemologie Pierre Bourdieus. Zola als Vorl ufer von Bourdieus Soziologieansatz auszuweisen, erlaubt es schlie lich, den Miserabilismus-Vorwurf gegen ber dem Naturalisten zu nuancieren.