Studienarbeit aus dem Jahr 2021 im Fachbereich Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte, Note: 1,0, Universit t Luzern (Theologische Fakult t), Veranstaltung: Hauptseminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit will der Frage nachgehen, welchen Stellenwert und welche Funktion die langen, zerm rbenden Verh re im prozessualen Kontext des 18. Jahrhunderts hatten und wie die Verschriftlichung derselben zu denken ist. Es soll aufgezeigt werden, dass bereits das Frageschema intendiert war und die Verschriftlichung mehr Mittel zum Zweck als Wort-Protokoll war. Martinimorgen 1746. Zwei Glaubenswelten prallen an diesem Tag, einem Freitag, im Luzerner Hinterland aufeinander. Zwei Welten, die beide Christus als ihre Mitte sehen und die doch unvers hnlich, unvers hnbar sind. Zwei Welten, von der die eine die geballte Kraft von Kirche und Staat hinter sich weiss, die andere die blosse berzeugung, das Richtige zu glauben und zu tun. Es sind zwei Glaubenswelten, die an diesem Morgen durch zwei Pers nlichkeiten aufscheinen. Da ist Moritz Benninger, Pfarrer von Wolhusen und damit Vertreter des rechten, des einzigen Glaubens - aus Sicht der katholischen Kirche. Und dort ist Jakob Schmidlin, Knecht, Kleinbauer, K fer und Fuhrmann, der sich auf seinem Heimetli, der Sulzig ob Werthenstein, mit pietistischen Glaubensgenossen traf. Wie weit die beiden M nner an diesem Morgen ahnten, dass ihre beiden Welten in den n chsten Stunden aufeinanderprallen werden, unvers hnlich und mit ungleichen Kr ften, ist nicht berliefert. Zumindest einer wusste es: Fridolin Disler, Wundarzt, der Schmidlin an diesem Morgen bei Benninger denunzierte. Er setzte damit eine Maschinerie in Bewegung, die zu Prozessen und Urteilen gegen 90 Personen f hrte, eine Maschinerie, die noch einmal - trotz bereits aufflackernder Aufkl rung - die Doppelwirkmacht von Staat und Kirche wuchtig unter Beweis stellte, eine Maschinerie auch, die f r Jakob Schmidlin am 27. Mai 1747, einem Samstag, mit dem Tod dur